Editorial

Anlässlich seines 250. Todestages hat die Kirchgemeinde Tiefenort die Initiative ergriffen, den Musiker und Komponisten Johann Melchior Molter zu ehren. Am 10. Februar 1696 in Tiefenort geboren und getauft, besuchte Molter die Lateinschule in Eisenach und war danach als Musiker, später Hofkapellmeister in Karlsruhe und Eisenach tätig. Längere Italienaufenthalte hatten sein künstlerisches Schaffen entscheidend beeinflusst. Er verstarb am 12. Januar 1765 in Karlsruhe. Molter gehört zu den markanten Komponistenpersönlichkeiten des 18. Jahrhunderts. Als Zeitgenosse von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Georg Philipp Telemann trug er entscheidend dazu bei, die Weltbedeutung der musikalischen Klassik (Mozart, Haydn, Beethoven) vorzubereiten. Nach seinem Tod in Vergessenheit geraten, wurde Molters musikalisches Oeuvre erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schrittweise wiederentdeckt. Um die besondere Qualität seiner Kompositionen einer breiteren Bevölkerung zu vermitteln, veranstaltet die Kirchgemeinde Tiefenort im Auftrag des Wartburgkreises und des Zentrums für Kirchenmusik der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, gemeinsam mit verschiedenen Partnern, wie der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Eisenach, dem Verein Kammermusik der Wartburgstadt e. V., der Landeskapelle Eisenach, der Academia Musicalis Thuringiae e. V. und der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten 2015 mehrere Konzerte und einen Kantatengottesdienst. Finanziell gefördert wird die Veranstaltungsreihe "Molter-Ehrung 2015 in Eisenach und im Wartburgkreis" vom Freistaat Thüringen, dem Wartburgkreis, der Wartburg-Sparkasse, der Evangelischen Bank und der Gemeinde Tiefenort. Die Schirmherrschaft übernahm Landeskirchenmusikdirektor Dietrich Ehrenwerth. Neben der Kommunikation der Veranstaltungsreihe möchte das Portal MOLTER2015.de auch auf Molter-Aufführungen anderer Veranstalter im Jubiläumsjahr hinweisen und darüber hinaus einen Zugang zu Leben und Werk Johann Melchior Molters bieten.  


Andreas Fritsch
Pfarrer in Tiefenort

Dr. Claus Oefner
Wissenschaftliche Betreuung

Jan Neubauer M. A.
Projektmanagement
 

  

Sie möchten Ihre Veranstaltung über das Portal MOLTER2015.de bewerben? Kontaktieren Sie uns. Wenn Sie unsere Arbeit finanziell unterstützen möchten, überweisen Sie Ihre Spende bitte an:

Ev.-Luth. Kirchgemeinde Tiefenort
Wartburg-Sparkasse
IBAN: DE02 8405 5050 0000 1135 73
BIC: HELADEF1WAK
Verwendungszweck: MOLTER2015

Jeder Betrag ist willkommen und trägt dazu bei, das Erbe Johann Melchior Molters zu pflegen. Gern senden wie Ihnen eine Bestätigung über Geldzuwendungen im Sinne des § 10b EStG an inländische juristische Personen des öffentlichen Rechts zu. Teilen Sie uns hierfür bitte Ihre Postadresse mit.


Kontakt

Dieses E-Mail Feld bitte nicht ausfüllen!

Grußworte

zur Molter-Ehrung 2015 in Eisenach und im Wartburgkreis

Portfolio

Dietrich Ehrenwerth
Landeskirchenmusikdirektor

Dank einiger Engagierter in der Kirchengemeinde Tiefenort wird ein bislang nicht so bekannter Komponistenname neu ins Land getragen: Der 1696 in Tiefenort geborene Johann Melchior Molter. Im Jahr 2015 gedenken wir seines Todestages vor 250 Jahren. Dass die "ganz Großen" unter den Komponisten sich immer nur in einem inspirierenden Umfeld entwickeln konnten, ist offensichtlich, und besonders die mitteldeutsche Musiktradition hat seit der Reformation diesbezüglich Herausragendes vorzuweisen - nicht nur an den Fürstenhöfen und den Stadtkirchen, sondern auch und gerade im ländlichen Bereich. Besonders in Schule und Kirche wurde Musik groß geschrieben, und so verwundert es nicht, dass der Sohn des Lehrerkantors aus Tiefenort schon in früher Kindheit zu musizieren begann. "Von Thüringen in die Welt" könnte die Biographie Molters aus heutiger Sicht überschrieben sein, war er doch als Hofkapellmeister nicht nur in Eisenach, sondern auch in Karlsruhe tätig und jeweils für die gesamte Musik am Hofe, so auch für die Kirchenmusik zuständig. Zwei mehrjährige Italienreisen beeinflussten offensichtlich seinen Kompositionsstil, und er gilt als einer der produktivsten Instrumentalkomponisten des 18. Jahrhunderts. Kunst schafft Verbindung über die Jahrhunderte! Doch im Gegensatz zur Bildenden Kunst muss Musik erklingen, um lebendig zu sein. Daher ist es hoch erfreulich, dass wir uns - obwohl eine Vielzahl der Molterschen Kompositionen im 2. Weltkrieg verloren gegangen sind - auf Klingendes freuen dürfen in diesem Jahr, sowohl in Karlsruhe als auch in Tiefenort und Eisenach. Mag dieses Jahr Anlass sein, ihm in den Bibliotheken weiter auf der Spur zu bleiben! Allen Musikerinnen und Musikern wünsche ich spannende Erfahrungen mit seiner Musik und allen, die diese Musik hören dürfen, offene Sinne für die Klänge des 18. Jahrhunderts.

Dietrich Ehrenwerth

Portfolio

Prof. Dr. Thomas Seedorf
Hochschule für Musik Karlsruhe

Im Jahr 2015 feiert die Stadt Karlsruhe ihren 300. Geburtstag: 1715 gründete Markgraf Carl-Wilhelm von Baden-Durlach Carols-Ruhe, eine neue Residenz, die zunächst nur aus einem Schloss und einigen Häusern bestand. Zwei Jahre nach Gründung der Stadt trat ein junger Musiker aus dem Thüringischen in die markgräfliche Hofkapelle ein, wohl nicht ahnend, dass er mehr als sein halbes Leben an diesem Ort verbringen wird: Johann Melchior Molter, dessen Todestag sich am 12. Januar 2015 zum 250. Mal jährt. Dem Karlsruher Hof hatte Molter viel zu verdanken: eine Studienreise nach Italien bei Weiterzahlung des Gehalts, vor allem aber die angesehene Stellung eines Hofkapellmeisters, der in guten Zeiten über eine stattliche Musikerschar gebieten konnte. Die Zeiten waren aber nicht immer gut, und das bekam auch Molter zu spüren. Als Carl Wilhelm infolge des Polnischen Erbfolgekriegs 1733 ins Exil ging, musste er seine Musiker entlassen. Knapp zehn Jahre später aber wurde Molter aber wieder nach Karlsruhe berufen und blieb dort bis zu seinem Tod. In der Musikgeschichte der Stadt Karlsruhe gebührt Molter ein Ehrenplatz. In seinem langjährigen Wirken hat er wesentlich dazu beigetragen, die junge Residenz zu einem höchst respektablen Ort der Musen zu machen und ihr Ansehen künstlerisch zu mehren. Die Handschriften vieler Werke, die Molter in und für Karlsruhe komponierte, sind erhalten und werden in der Badischen Landesbibliothek verwahrt. Studieren und bewundern lassen sie sich freilich mittlerweile in der ganzen Welt, denn die Bibliothek hat diesen bedeutenden Schatz digitalisiert und der Allgemeinheit online zur Verfügung gestellt. Inmitten der Feierlichkeiten zum 300. Stadtgeburtstag ist das Gedenken an Molter, den ersten bedeutenden Musiker der Karlsruher Geschichte, nur eine von vielen Facetten. Umso mehr ist zu begrüßen, dass man sich in der thüringischen Heimat des Komponisten so intensiv seiner annimmt. Für die Veranstaltungen zum Molter-Jahr wünsche ich allen Beteiligten gutes Gelingen, viele Zuhörer und vor allem viel Freude an der Musik Molters.

Prof. Dr. Thomas Seedorf